Was unter Kultur, Nation, Volk und Zivilisation verstanden wird, muss klarer definiert werden. Beispielsweise eignet sich die Idee einer Abstammungsgemeinschaft nicht um eine Nation zu definieren. Beispielsweise wurde Frankreich im Laufe der Jahrhunderte von proto-indogermanischen Basken, Kelten, Germanen, Galliern , Griechen, Römern, Franken, Sarazenen, Normanen, Bretonen, Picarden, Burgunder, Lothringer, Elsässer, Korsen, Nizzäner und Soyoaner zusammengemischt. Ohne überhaupt die anderen Einwanderer der Nachkriegszeit mitzurechnen. Deswegen kann eine Nation nicht als Abstammungsgemeinschaft gedeutet werden; weil die meisten mehr als nur von einer Gruppe abstammen, die zuvor eigene Sitten, Gebräuche und Gesetze hatte.
Welche Art von Gruppe ist aber eine Volksgruppe ? Was macht ein Volk aus ? Das altdeutsche folc meint damit „viele Leute“. Heutzutage würde eine „Mikronation“ als einen Widerspruch gelten, denn eine sehr kleine Gruppe wäre eher als eine Familie als ein Volksstamm angesehen.
Wäre eine Sprachnation nicht eher der bessere Begriff ? Die Sprache wird oft als eines der Hauptelemente einer Nation angesehen. Jedoch sprechen viele Menschen Englisch, Französisch und Spanisch, also europäische Sprachen ohne notwendigerweise in Europa zu leben oder von Engländern, Franzosen und Spaniern abzustammen.
US-Präsident Joe Biden meint eine Nation währe eine Gruppe, die nach dem selben Ideal streben würde. Eine Wertenation ist aber in Amerika nur unter immer wenigeren Grundsätzen festzustellen, den linksgerichtete und rechtsgerichtete Amerikaner haben sich zunehmend immer mehr ideologisch differenziert, oft sogar radikalisiert.
Ist die Nation oder ein Volk etwa eine Gemeinschaft unter dem selben Recht und der selben Ordnung ? Dies erscheint mir als eine der bestmöglichen Deutungen, doch diese hat einen Haken; nach dieser Vorstellung wäre z.B. das jüdische oder kurdische Volk kein einheitliches Volk, ebenso wenig wie alle anderen Völker, die verstreut durch mehrere Staaten leben.
Teil eines Volkes zu sein erscheint heutzutage eine moralische Komponente zu haben und tatsächlich werden die Gesetze des Staates von Idealen und Interessen ins leben gerufen. Das Identitätsgefühl ist allerdings wichtig um den Staat vereint und stabil zu halten. Ein multikultureller Staat benötigt also auch ein Grundkonsens an Grundwerten. Der inklusive Nationalismus ist deswegen so interessant, weil dieser nicht rassistisch ist, wie der exklusive Nationalismus. Auch hat die Idee der Willensnation auch in der globalisierten Welt an Bedeutung gewonnen. Diese Art von Nation funktioniert aber auch nur durch den gemeinsamen Willen vieler Personen. Zur Willensbildung auf demokratische Art und Weise wird in einem anderen Essay erörtert.
Julien Sita, 21. Juli 2021.