Arabellion in Afrika (2010-2020)

Tunesien wurde zur Demokratie, Libyen wurde zur Anarchie und Ägypten wurde wieder zu einer Autokratie. Nach dieser Bilanz hatte nur eines der drei Länder, wo das Regime gestürzt worden war, sich heute gebessert. Allerdings ist der Weg zu Freiheit und Wohlstand immer lange und unkomfortabel. Selbst Tunesien muss sein politisches und wirtschaftliches System ständig erhalten und verbessern, wenn es nicht will, dass es verdirbt wie das vorherige. Nach mehreren demokratischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Tunesien scheint sich der neue Staat sich sehr stabilisiert zu haben. Die Wirtschaft erholt sich auch langsam von dem Tumult der Revolution. Libyen könnte im Jahr 2021 durch Präsidentschaftswahlen seinen zweiten Bürgerkrieg beenden, wo seit 2014 lange nur noch um Macht gekämpft wird. Dabei könnte ein umstrittenes Wahlresultat noch mehr Blut vergießen lassen. Der machthungrige Warlord sowie Gaddafis Exgeneral Khalifa Haftar haben es auf den Posten des Staatspräsidenten abgesehen. Wer weiß, ob Haftar Libyen als neuer Gaddafi regieren will. Wenn der Warlord mit den Volksvertretern aus den zersplitterten Regionen Kyrenaika, Fezzan und Tripolitanien durch Kompromisse hinter sich scharen kann, wird er zumindest das Land stabilisieren. Ein herrschender Kriegsherr kann nur mit Hilfe der Volksmassen, sowie deren Vertreter und den lokalen Milizen für Frieden und Stabilität sorgen. Sonst zufällt das Land wieder im Chaos.

Die nordafrikanischen Länder an der Küste des Mittelmeers werden in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Vor allem Marokko und Ägypten bleiben strategisch wichtig, wegen ihrer geographischen Lage, die den Zugang zum Mittelmeer ermöglichen. Ägyptens neuer Präsident gilt als repressiver Autokrat, der zuvor noch oberster Militärkommandant war. Doch dieser soll meines Erachtens viel mehr Ambitionen haben, wenn er sich für Stabilität in seinem Land und in Afroeurasien einsetzen will. Sicherheit und Stabilität einzubringen braucht mehr als Macht. Ein „starker Mann“ an der Spitze des Staates, erscheint vielen Ägyptern vielleicht als Hoffnung auf Ruhe auf den Straßen, doch der Mangel an Perspektiven, Freiheiten, Chancengleichheiten und sozialstaatlichen Schutz könnte die Regierung von vielen verhasst machen. Der Präsident Ägyptens könnte die Kreativität haben, ein drei Parteiensystem einzuführen, wo die Parteien denselben Präsidenten für zehn Jahre unterstützen und ihm dann in einem wohlhabenden Ruhestand schicken, wo er sich keine sorgen machen muss. Das Militär kontrolliert in Ägypten auch die Wirtschaft und ist allein deswegen ein Staat im Staat. Die Hauptparteien sollten bestenfalls von Wirtschaftsexperten geführt werden, auf die das Militär meines Erachtens seine Wirtschaftspolitik stützen sollte. Auch die Korruption und maßlose Bereicherung sollte in Ägypten stärker bekämpft werden, wenn eine neue Revolution um Freiheit und Brot vermieden werden sollte.

Julien Sita, 9. November 2020.

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