Vier Ideen für acht Jahrzehnte

Wir leben am Anfang des 21. Jahrhunderts und die Menschheit plant seine Zukunft. Die Skizze dieses Plans sieht nach jetzigem Stand etwa so aus:

1. Am Oligopol der Megakonzerne soll profitiert werden oder dessen Einfluss verringert werden. Trotz sozialer Ungleichheiten sollen aber weitere soziopolitische Instabilitäten vermieden werden. Die Frage um den Sozialstaat beleibt offen.

2. Die Umwelt soll geschützt werden und gleichzeitig sollen Mars und Monde kolonialisiert werden.

3. Eine legale Ordnung soll erhalten werden (sowohl in einem autoritären als auch in einem freien Staat) während gleichzeitig das Charisma de facto sich als willkürliches Herrschaftsprinzip durchsetzt. Dabei dient meistens der Kulturkonservatismus als Grundlage neonationalistischer Diktatur.

4. Die Technologien sollten weiter entwickelt werden und gleichzeitig wird gehofft, dass Maschinen nicht in völkerrechtswidrige Konflikte eingesetzt werden.

Das Fazit ist also, dass viele Menschen nicht einmal über die selben Ziele einig sind und wenn doch, dann sind die Prioritäten oft unterschiedlich. Wohlstand, Frieden, Fortschritt, Freiheit und Tradition sind nicht immer kompatibel und somit werden die Menschen wohl oder übel dazu gezwungen werden, eine Hierarchie ihrer Prioritäten zu erstellen. Die weltweite Erhaltung der Umwelt wäre m.E. a priori die erste Priorität. Unter anderen weil sie alle Betrifft und weltweit relevant ist. Die Gesundheit, die Sicherung ausreichender Ressourcen, gute klimatische Bedingungen u.s.w. sind nötig um die natürlichen Grundbedürfnisse einer Gesellschaft zufrieden zu stellen. Die Gesetze für den Klimanotstand werden vor allem die G20-Länder bestreffen, die mehr als 80% der CO2 Abgase produzieren.

Wenn eine Krise überwunden wird, kann wieder Normalzustand herrschen. Dort findet man wieder unter weniger harschen Umständen Recht und Ordnung und die Gesellschaft kommt wieder in den Genuss von den Gesetzen geschützt zu werden, wenn sie in einem Rechtstaat lebt. Ich hoffe, dass in der Zukunft Politiker nicht von einer Verschärfung der Klimakrise oder einer anderen Krise ausnutzen um ihre Machtergreifung als Diktator zu ermöglichen. Während der Rechtspopulist Viktor Orban 2010 nach der weltweiten Wirtschaftskrise in Ungarn an der Macht kam und weite Teile der Gerichte, Presse und Opposition entmachtete, wurde der britische Rechtspopulist Boris Johnson 2019 durch das Brexit-Chaos zum Premierminister des Vereinigten Königreichs. Johnson war kein Jahr lang an der Macht als er versuchte die Macht des Parlament und der Gerichte auszuhebeln um sein Programm durchzusetzen. Egal was er der EU vorwarf, sein Benehmen war noch undemokratischer als eine Technokratie.

Zuletzt muss im Bereich der Technik und Wirtschaft ein Kompromiss zwischen den großen Massen und den Superreichen gefunden werden, damit Umweltschutz und öffentliche Ordnung nicht durch einen Klassenkampf vernachlässigt werden. In einem solchen Kampf könnte niemand etwas gewinnen sondern nur alles verlieren. Vor allem in Frankreich, Heimat der Literaten und Revolutionäre, müssten starke sozioökonomische Umstrukturierungen unternommen werden, um die république für die nächsten Jahrzehnte fit zu machen. Die Landwirtschaftsarbeiter benötigen staatliche Unterstützung und akzeptable Arbeitsbedingungen. Die essential workers einen Lohn, der ihren Mühen gerecht wird. Der Reichtum in Paris muss mit den Peripherien geteilt werden. Vor allem Nord- und Westfrankreich ist vom Klimawandel am meisten Bedroht. Millionen Picarden (Ch’tis), Normanen, Bretone und Aquitanier könnten Flüchtlinge im eigenen Land werden.

In der Zukunft müsste nebenbei eine Troika aus dem Staat, als Richter und Vermittler, den Vertreter der Masse und die Vertreter der Oberschicht Kompromisse oder Konsense gebildet werden. Der Klassenkampf war gestern, denn immer wenn eine Elitegruppe vernichtet wurde, kam eine andere Elitegruppe an ihrer Stelle. Wenn die zwei soziale Schichten sich nicht einig werden, soll der Staat einen mittleren Weg als ultima ratio finden. Philosophen sollten währenddessen versuchen Schlussfolgerungen aus dem Spannungsfeldern zwischen Ethik und Technik zu ziehen. Vor allem im Beriech der Kriegsführung, den privaten Informationen und der künstlicher Intelligenz.

Julien Sita, 29. Dezember 2020.

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