Über das Gute

Übersetzung aus dem Griechischen von Immanuel Th. Frey aus dem Jahr 1764.

Peri Agathoes – De Bonum – Über das Gute

TEIL 1

Épimaios: Ô Aleximós, es ist mir eine große Freude dich wiederzusehen. Wie war deine gefährliche Reise nach Sizilien?

Aleximós: Mein guter Freund, dies war nicht nur die gefährlichste sondern auch die wichtigste Reise meines Lebens. Als Botschafter habe ich es geschafft Frieden zwischen Kreta und Sizilien zu stiften. Der Tyrann Timaios war nicht einfach zu überzeugen: er war das gefährlichste auf meiner großen Reise. Nach Lust und Laune handelte er. An einem Tag wollte er meine Zunge… an einem anderen meinen Kopf abschneiden!

É: Was für eine Abscheulichkeit! Und wie hast du nach drei Monaten Friedensverhandlungen diesen wankelmütigen und lunatischen Ungeheuer zur Vernunft gebracht? Dies ist doch wohl erstaunlich!

A: Die Berater des Tyrannen waren vernunftbegabter als ihr Meister. Diese habe ich bestochen damit sie ihren Herren zur Vernunft bringen. Letztendlich forderte er dann eine Entschädigung für die zerstörten Schiffe und somit haben wir mit sehr vielen Drachmen uns den erwünschten Frieden erkauft.

É: Tyrannen sind von ihren Begierden gesteuert. Das Gute an sich, das was für alle gut ist, kennen sie nicht.

A: Wahrlich, ô Épimaios! Das Gute ist das, was alle vernünftig denkenden Menschen von ganzen Herzen wirklich wollen, weil es nützlich ist oder einen Eigenwert hat, und nicht anders können als fest an seinem Wert zu glauben.

É: In der Hierarchie der Güter ist das Glück das höchste Gut, weil jeder nach diesem Gut strebt.

A: Ja aber auch bei der Glückseligkeit gibt es eine Hierarchie. Das Glück aller ist göttlicher als das bloße Glück eines Einzelnen. Das Glück durch schaffen ist viel stärker und größer als jenes durch natürlich verankerte anlagen wie Instinkte.

É: Epikur meinte die Götter seien geistliche Wesen, die nach seiner Vorstellung als innbegriff der Lust gelten. Die Personifizierung des höchsten Glücks seien die Götter.

A: Arès wäre nach dieser Logik kein Gott, denn wir sahen wie viel Leid und Elend die Kriege brachten, für die er mitverantwortlich ist. Er ist auch der einzige Gott, dem man erzürnt mit oder ohne über ihn zu lästern. Das Blutvergießen ist seine einzige Begierde. Jeder Krieg ist ein Sieg für ihn. Dabei hat er im Menschen auch noch Rachsucht, Groll, Eifersucht, Machthunger, Ruhmsucht, Neid und irrationales Misstrauen eingepflanzt. Somit hatte jede Generation ihren eigenen Krieg erlebt bis ihnen die Kräfte zum Kämpfen ausgingen.

É: Nicht einmal der Friede mit Sizilien ist wirklich gewiss. Während wir hoffen, dass der Friede so lange dauert wie nur möglich, wissen wir nicht einmal, ob der Tyrann seine Meinung nach der Besiegelung des Vertrags wieder geändert hatte. Willkür schafft kein Vertrauen. Wir gehen lediglich davon aus, dass die Sizilianer den nächsten Krieg nicht mehr gewinnen können nachdem ihre besten Soldaten desertierten. Sie waren von ihrem obersten Feldherren so brüskiert, dass sie ihm nicht mehr vertrauten. Timaios tat während seiner ganzen Regentschaft was er wollte ohne sich verantworten zu müssen.

A: Ô ja! Als ich ihm zum ersten mal sah, machte er mir mehr Angst als die wildesten und stärksten seiner Soldaten, denn selbst diese waren konsistenter als ihr Hegemon (Oberbefehlshaber).

(Fortsetzung folgt)

Julien Sita, 16. Juli 2021.

TEIL II

(…)

Xenokrates: Du weiß ja, dass wir dreißig natürliche Rechte haben, so die Philosophen.

Yoshua: So ist es. Diese Rechte, also Ansprüche, sind Naturgegeben und können nicht geleugnet werden.

X: Genau, diese Naturrechte sind so evident, denn ihre Prinzipien sind absolut wesentlich zum Endziel aller Menschen.

Y: Wir Menschen brauchen eben Ansprüche, die Realität werden müssen – und dafür sind Gerichte und sonstige Rechtsysteme von keiner geordneten Gesellschaft zu trennen. Nicht einmal jene Anarchisten, die eine Legislatur oder ein Ministerrat als schädlich und unnütz verurteilen, wollen Gerichte abschaffen. Da bleiben selbst in anarchistischen Utopien die Juristen, denn jeder braucht ein Experte in jeden Bereich.

X: Es waren auch zum Teil Juristen, die die Tafeln aus Bronze mit den Naturrechten verfasst haben. Etwa ein Drittel oder sogar die Hälfte dieser Naturrechte behandeln das Thema Justizsystem. Doch was schade ist, ist dass wir die Philosophen nur die Form eines gültigen Prozesses kennen, aber nicht die Gerechtigkeit an sich erkannt haben.

Y: Nur die Formalia eines gerechten Prozesses ist für dich erkennbar, aber nicht das Wesen der Gerechtigkeit?

X: Ja, leider ja!

Y: Das ist für mich ein Wiederspruch: einerseits gibst du ein essentielles Beispiel von Gerechtigkeit und andererseits weiß du nicht was Gerechtigkeit an sich bedeutet.

X: Was gerecht ist, ist von der Kultur abhängig. Was aber in jeder Kultur gleich ist, ist die menschliche Natur. Weil der Mensch ein sterbliches, von leblosen Materialien getrenntes und nicht-allwissendes Wesen ist, ist es aufgrund seiner Natur notwendigerweise so, dass niemand das Recht hat zu Morden, zu Stehlen oder die Richter zu belügen. Solch unsittliches Verhalten ist mir der Natur des Menschen nicht haltbar. Seine natürlichen Rechte sind währenddessen an seine Natur gebunden und fördern ein menschenwürdiges Leben; d.i. jenes was seiner Natur entspricht.

Y: Du sagst der Mensch habe eine Würde, aber warum?

X: Die menschliche psykhê (Geist) sieht sich selbst notwendigerweise als würdig. Sich selbst zu würdigen ist ein Privileg allen geistlichen Wesens, ob Mensch oder Gott oder sonst so ein Wesen. Je weniger geistlicher Gaben ein Tier oder eine Pflanze haben, desto weniger sehen sie sich selbst als würdig an. Wenn Tiere Lust oder Leid spüren, der Lust verlangen und Leid vermeiden wollen so haben sie auch einen gewissen Grad an Würde behauptet. Deswegen dürfen wir andere Kreaturen nur zur Mahlzeit essen, so wie jeder Fleischfresser in der Tierwelt auch seiner Natur folgt.

Y: Da werden einige nicht deiner Meinung sein.

X: Sie haben auch ihre Meinung, die in ihrer psykhê erdacht wurde, genauso wie bei mir.

Y: Kann die psykhê aber überhaupt das Gute erkennen?

X: Entweder ist es der menschliche Geist oder ein höherer Geist.

Y: Kann der menschliche Geist ein höheres überhaupt erkennen?

X: Nur bedingterweise; Wesen mit weniger psychischen Fähigkeiten erkennen auch nur teilweise die geistlichen Fähigkeiten jener die mehr haben.

Y: Nehmen wir an, wir würden in der Natur das Werk eines höheren Geistes erkennen.

X: Etwa ein Gott?

Y: Naja zumindest ein höheres Wesen.

X: Wäre der Gott nur ein Geistwesen?

Y: Viele Wesen haben Geist und Körper, vielleicht haben auch Götter materielle Körper.

X: Wäre Gott die höchste Existenz oder wäre Gott und die Existenz an sich ein und dasselbe?

Y: Wenn Natur und Gott sei ein und dasselbe sei, bedeutet das nicht etwa Pan(en)theismus?

X: Ja ganau!

(Fortsetzung folgt)

Julien Sita, 4. Dezember 2022.

Notizen: Über das Gute III

-Die Natur des Guten und die Natur des Bösen -Qualität und Quantität -Passivität und Macht -Passiv zu sein, ist gefährlich -Unglück und Schicksal -Machiavellismus als Überlebensstrategie -Ist Ehrfurcht vor dem Leben das einzige gültige Gesetz der Moral? Nein! -Seelenruhe und Ataraxie gegenüber einige Übeln üben. -Kleine Arschlöcher sind weder Gut noch absolut Böse. -V wie Vendetta vs HP Lovecraft über die Angst. -Only help One which help is realy needed or very easy. Take the middle path to often and you Risk parasitism abuse. -Actions against Ambitionnists. And also Antisocials. -Wie wird man glücklich ohne ein Ar*** zu sein?

-Das Gesetz gilt für alle. Wenn einer sich bei dieser Tatsache verletzt fühlt, dann hatte er Pesch! Leider ist es unmöglich einen diese Tatsache einer Masse beibringen, ohne, dass einer Wütend oder Traurig ist.

-Die Guten müssen sich in Zeiten der massenhaften Irrationalität, Verschwörungswirren und Populismus sich sehr davor hüten betrogen und belogen zu werden. Sie müssen nicht nur nach ihrer Natur, sondern auch mir anderen Realitäten Leben und davon ausgehen, dass es notwendige Übel für ein höheres Gut gibt. Von dem Bösen müssen die Guten lernen wie man überlebt. Vom Betrüger lernt man das Betrügen zu durchschauen.

-Die Bösen erhoffen sich ein gutes Leben durch die Umsetzung ihrer Ziele. Die Guten erhoffen sich ein gutes Leben durch die Bewahrung des Wohls aller. Jeder gute tut seine Bürgerpflicht und arbeiten zusammen um das allgemeine Wohl zu erschaffen.

-Über das Gute und Gott. Gott ist Existenz. Existenz ist Wandel. Wandel ist Aktiv. Aktiv ist Eros. Eros ist das bewegende Erstprinzip und das Grundprinzip aller Existenz. Der Wille zur Zerstörung oder Zerstörungen sind kein Teil des Eros. Die Veränderung ist nur Ende und Anfang zugleich der einen und selben Substanz, aber nicht das endgültige Ende eines Dinges. Jede Verwandlung benötigt eine Konservierung. Natur ist Eros. Eros ist auch der Wille zum Leben. Gott ist Natur. Gott ist der Titel der Natur, der ihr an dem Momenten und Orten anerkannt wird, wenn sie schön, nützlich oder gut ist. Das Nützliche und Gute entsteht durch Wandel. Alterität und das Eigene haben ein Minimum miteinander zu tun, sonst könnte das Eigene das Andere nicht erkennen.

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