Zur Zeit Catilinas konnte eine Klicke von Verschwörern gegen den Staat aufnehmen. Z.T.
indem argumentiert wurde, dass diese Regierung korrupt war und durch eine
andere ersetzt werden sollte. Senatoren, die mit Sulla in Verbindung gebracht
wurden, konnte leicht Amtsmissbrauch, Opportunismus und Gewalt vorgeworfen
werden. Ironischerweise sei Catilina auch an den Verbrechen Sullas beteiligt.
Wenn dies wahr sein sollte, dann musste er dies der Masse und anderen
Verbündeten verschwiegen haben, um ihr Vertrauen nicht zu verlieren. Catilina
erschien aber als einer der bekanntesten Politiker Roms zu sein. War er trotz
seiner Vergangenheit dreist genug den Staat korrupt zu nennen oder hatte man
ihm die älteren Verbrechen zu Unrecht vorgeworfen? Beides scheint möglich zu
sein, weil der politische Diskurs oft realitätsfern war, wenn oberste Interessen auf dem Spiel stehen. Deswegen log Catilina auch als er behauptete nichts von (s)einer Verschwörung gewusst zu haben.
Der Senat galt als korrupt in einer Zeit, wo viele römische Bürger durch die
Massensklaverei arbeitslos wurden. Die Uneinigkeit im Senat blockierte wichtige
Gesetze, die als Lösungen für die sozialen Probleme der Plebs taugen könnten. Die Kaiser haben später Propaganda betrieben, um die Bilanz ihrer Herrschaft rosiger zu gestalten als es recht war, während die Senatoren nicht wagten offen gegen den Kaiser vorzugehen. Die langen Verhandlungen im Senat brachten nicht immer ihre Früchte, weswegen Cäsar 59 und 49 oft auf eigene Faust und gegen den Konsens des Senats handelte. Mit dieser Vorgehensweise drohte die Republik unterzugehen, bzw. somit ist sie auch untergegangen. Der Senat konnte zwar den Diktator ermorden, doch blieben die Republikaner von den Feldherren Cassius und Brutus abhängig, genauso wie zuvor Cato von Pompeius. Nachdem der Senat keine mächtigen Feldherren hinter sich hatte, war es gezwungen oder angelockt worden sich mit dem Cäsarianern zu versöhnen.
Die Verteidiger der Republik wurden während den Schlachten getötet. Der Senat war
von Triumvirn umgeben die heuchlerisch behaupteten die Republik wiederherstellen zu wollen. Die Cäsarianer wollten, wie Monarchen regieren und der Senat hatte nur noch die Wahl sich für den besseren potentiellen Alleinherrscher zu entscheiden. Nachdem wieder einmal ein Triumvir ausgeschaltet wurde und das Ende einer Ehe die Allianz der zwei anderen Triumvirn in Frage stellte, drohte wieder einmal ein Konflikt zwischen zwei
Senatoren. Octavian und Marcus Antonius konnten, wie in den Bürgerkriegen zuvor
zwei Senate errichten. Jeder Feldherr konnte seine Legitimität durch seinen Rumpfsenat oder Gegensenat beanspruchen. Nachdem Octavian Antonius besiegte und somit alle römischen Heere kontrollierte, musste er sich mit hunderten Senatoren auseinandersetzen. Durch Kompromisse mit anderen Senatoren konnte er als Alleinherrscher, im Gegensatz zu Cäsar, lange regieren. Die Balance zu halten war nicht leicht; Mordversuche der Senatoren waren keine Seltenheit.
Julien Sita, 1. August 2021.