(Aufsatz in Bearbeitung)
Privilegien der Elite
Eine Elite gilt als soziale Gruppe, die durch ihren Status mehr Macht oder Einfluss hat als andere soziale Gruppen. Weltweit vergrößerte sich die Kluft zwischen Arm und Reich während die Anzahl an liberalen Demokratien seit 2006 kleiner wurde. Mehrere Krisen bezüglich Wirtschaft, Finanz, Kriege, Terror und Pandemie haben nämlich diese sozialen und politischen Hierarchien verstärkt. Die Politik muss gezwungen werden nicht nur die etablierte Elite sondern auch neue Mitglieder in der Elite in der Politik aufzunehmen. Wenn kaum einer aus der Basis zur politischen oder sozio-ökonomischen Elite dazugehören kann, verliert die liberale Demokratie ihren meritokratischen Charakter. Das Versprechen für die eigene Leistung belohnt zu werden machte eine meritokratische Demokratie für viele sympathisch gegenüber der Vetternwirtschaft und der Klientelpolitik. Die Industrie wurde dazu automatisiert Reichtum zu akkumulieren, während Politiker oft nur ihre Karriere und Profit im Auge haben und schlimmstenfalls auch noch ihre Macht immer weiter ausbauen, bis sie vor keinem Gericht mehr verantwortlich sind. Solche systematische Akkumulation von Reichtum oder Macht ist vielleicht einer der Gründe warum in Europa immer mehr Provinzen ihre Unabhängigkeit oder zumindest mehr Autonomie fordern. Die Basis verarmt sich nämlich durch den status quo, während die Elite neue Profit-Nischen such. Eine inoffizielle neue Aristokratie kann dem Prekariat die Ausmerzung der Meritokratie nicht mehr verheimlichen. Während der politische Einfluss der Reichen parallel zu ihrem Reichtum wächst, hat die Basis Angst um ihren finanzielle Situation und um ihre Freiheiten. Die Elite genießt ihre Privilegien während die Basis aus Notwendigkeit handelt.
Praktische Grenzen der Demokratie
Als ich jung war, war ich fasziniert von der Idee, dass in der athenischen Demokratie quasi jede Woche Volksabstimmungen organisiert wurden. Ich würde es heute noch gut finden wenn jedes Jahr oder alle zehn Jahre ein Referendum organisiert wird um die Grundlinien der Politik zu bestimmen. Das Volk gibt den Mandatsträgern Macht. So wird unsere Art der Demokratie definiert. Jedoch fühlen sich viele Bürger nicht wirklich von ihren Abgeordneten repräsentiert und die Politik, die Politiker zwischen den Wahlen betreiben, ist oft widersprüchlich zu jenen Forderungen und Interessen der Wähler. Ich plädiere also dafür, dass in der Halbzeit des Mandats ein Volksentscheid gemacht werden kann um die Grundlinien der Politik zu bestimmen. Darin müssten Prioritäten genannt werden, was das Volk als oberstes Interesse bestimmt. Nur lokale Referendums zu machen bei dem das Resultat keine schweren Konsequenzen haben kann, zeigt, dass den Bürgern nicht wichtige Fragen anvertraut wird. Welche wichtigen Fragen kann aber das Volk anvertraut werden ? Es sind Fragen der Souveränität. Abhängigkeit und Unabhängigkeit eines Staates werden Traditionell durch Volksentscheide getroffen. Im ancien régime wurde einer Bevölkerung nicht gefragt ob ihr Staat unabhängig, partitioniert oder annektiert werden soll. Doch auch solche Volksentscheide sind heikel, wenn sie zu jeder Zeit vorkommen könnten. Fragen zum Status des Quebec beispielsweise könnten somit nie geklärt werden, wenn nach einem dritten Volksentscheid die Frage immer noch nicht geklärt wird und die Bevölkerung sich immer tiefer spaltet. Weiterhin haben Volksentscheide den Nachteil, dass nicht alle Fragen mit „ja“ oder „nein“ entscheiden werden können, während viele Wähler sich vor der Wahl sich schlecht informieren. (…)
Demokratie-Defizite in der neokapitalistischen Gesellschaft
Durch Massenarmut wächst der Unglaube an der Demokratie; Arme gehen öfters nicht wählen oder wählen extreme bzw. demokratiefeindliche Parteien. Die Arbeiterklasse und das Prekariat werden in der Politik stark unterrepräsentiert, obwohl sie die sozialen Klassen sind, die am wenigsten Privilegiert sind. Parlamente und Ministerräte bestehen überwiegend aus Akademiker. Oft sind es Akademiker die Wissenschaften studiert haben, die über den praktischen Handlung oder den Umständen der Bevölkerung nicht viel erklärt. Das Studieren von Jura bspw. ermöglicht nicht das zu wissen, was durch die Erfahrung manueller Arbeit erkannt wird. Die Akademiker in der Politik sind auch oft unter den Einfluss der Lobbyisten oder bekommen hohe Plätze in der Privatwirtschaft nach dem Ende ihres Mandats. Somit kommt es zu einer immer weiter wachsenden Kluft zwischen einer immer mehr geschlossenen Elite und dem Rest der Bevölkerung. Ein kleiner Kreis von reichen, einflussreichen und mächtigen ist mehr oder weniger abgeschottet und ermöglicht nur wenige in die Elite aufzusteigen; dies könnte die Endentwicklung der modernen Gesellschaft werden, wenn Reichtum, Erbschaft oder persönliche Beziehungen die einzigen Kriterien sind die den Elitestatus bestimmen.
Wie kann aber der Aufstieg in der Elite für begabte und tugendhafte vereinfacht werden ? Jedenfalls glaube ich, dass das System notwendigerweise zur Elitebildung beiträgt, weil die Vermehrung der Quantität der Güter viel zu viel possibilities gibt. Das System sollte somit in seine Schranken versetzt werden. Handlungen und Normen müssen so kontrolliert werden, dass Korruptionsfälle vermieden werden könnte. Die Demokratie kann auch digital neue Impulse bekommen; ich plädiere dafür, dass auf Plattformen wichtige politische Themen und Fragen diskutiert werden. Am besten sollte Leute aus verschiedenen Milieus treffen. Die sozialen Schichten verlieren den direkten Kontakt. Die Politiker versuchen oder heucheln dem Volk nahe zu sein, wobei sie nicht desto trotz sie per Definition zur Elite gehören. Problematisch ist die Tatsache, dass einige Politiker nie zur Basis gehörten oder vergessen haben zur Basis gehört zu haben, nachdem sie in der Elite eingegliedert wurden. Was kann die Basis machen ? Personen wählen, die ihre Sorgen verstehen. Die Parteien sollten nicht nur mehr Frauen in die Politik eingliedern sondern auch mehr aus den weniger gut begüterten Schichten. (…)
Die christliche Religion, ob man daran glaubt oder nicht, hat für mich eine sehr symbolische inspirationsquelle Geschaffen. Der Todesspruch für Jesus Christus nachdem er die Händler aus dem Tempel vertrieben hatte, ist eines der besten Beispiele eines politisch motivierten Justizmordes. Eine Person, die nicht Teil der Elite angehört und dennoch von seinen Anhängern als göttlicher Sohn verehrt wird, ärgerte sich sehr stark als er die Wirtschaftskriminalität bemerkte, die die Würdenträger im Tempel mit dem Händlern verübten. Damit hatte Jesus auch ein Taboo gebrochen und die Korruption der höchsten Priester getadelt. Eine Elite, die sich durch rein angebliche Ehre legitimiert will diesen Schein erhalten und jede Opposition ausmerzen, die schwere Anschuldigungen machen. Die politische Ursache am Tod Jesus müsste Christen und Nicht-Christen anregen nicht nur die Elite wegen Korruptionsgeschäfte kritisch zu hinterfragen, sondern auch öffentlich zu Sanktionieren. Zu oft hatte die Mehrheit der Bevölkerung ein System akzeptiert, an dem wenige Mächtige gefürchtet werden. Noch schlimmer ist ebenfalls die Korruption, die geduldet wird, mit der Hoffnung daran zu profitieren. Wir wissen aber, dass in solch einem unsolidarischen System immer weniger davon profitieren, denn die führt automatisch dazu, dass Betrüger betrogen werden. (…)
Literatur und Filmindustrie haben auch über die Zukunft der sozialen Ungleichheiten spekuliert: The Jetsons, Elysium, Planet of Apes, The Tributes of Panem, Divergent etc. sind deswegen auch interessante zu analysieren. Ebenso ist das Beobachten der gesellschaft-liche Normen und Ethik: die Konsequenzethik und Hierarchie spielt m.E. in der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft eine zunehmend wichtigere Rolle.
Julien Sita, 1. September 2021.