Wirtschaftspolitische Essays

  • Werkzeuge der Obrigkeit

Die materiellen Bedingungen der Herrschaft einer Elite sind Land, Ressourcen (Geld, Essen u.s.w.) und Waffen. Da stellt sich die Frage wer diese besitzen soll. Land, Ressourcen und Waffen geraten immer mehr in den privaten Besitz. Aus einer Meritokratischen Perspektive soll jener mehr besitzen, der mehr leistet. Dies scheint eins-zwei Generationen noch zu gelten, dann wird immer mehr Geld nicht mehr verdient, sondern vererbt. Diese modernen Erbaristokratien schaden der Meritokratie zunehmend, weil sich inoffizielle Privilegien wie Korruption und Vetternwirtschaft immer weiter verbreiten können, was zur Kluft zwischen Arm und Reich führt. Zumindest Nahrungsmittel sollten jeden gehören und nicht wie Wasser als gewöhnliches Gut gelten um Profit zu machen. Das Problem ist, dass das Eigentumsrecht so sehr an Bedeutung hat, dass arme Schlucker nicht einmal aus fremden Mülltonnen Nahrungsmittel nehmen dürfen. Diese haben nichts zu verlieren, weil ihr Lebens auf Spiel steht. Privilegierte interessieren sich währenddessen immer weniger um das Wohl und Elend der Unterschicht. Dagegen muss sich die Mittelschicht wehren, denn die Unterschicht kann dies nicht und braucht breite Unterstützung innerhalb der Bevölkerung, die nicht zuletzt riskiert in die Armut schrittweise abzusteigen.

  • Korruption als Grundlage der Diktatur

Soziopolitische Institutionen und der Pöbel haben sich im Laufe der Geschichte mehr durch Geld als durch Werte leiten lassen. Somit haben steinreiche Königsmacher in Russland und andere Oligarchen auf der Welt korrupte Regierungen an die Macht gebracht und haben diese erhalten. Joseph de Maistre kritisierte die französische Revolution, mit dem Argument, dass nur höchst talentierte, reiche oder bewaffnete Leute in einer Gesellschaft weit aufsteigen können. Die Monarchie sei dagegen ehrlicher und mache nicht jeden vor, dass alle zur Elite gehören können. Der Elite anzugehören mag nicht für alle gelten, aber m.E. muss eine dubiose Elite von der Basis bekämpft werden, wenn ein soziales Desaster droht. Dafür muss der breiten Masse die Mittel dafür zur Verfügung stehen, politisch aktiv zu sein.

  • Ideologie(-kritik)

Die dominante Ideologie eines ist jener der Elite. Da kann man Karl Marx recht geben. Die Ideologie der Elite muss aber kritisch untersucht werden, vor allem, wenn das System, dass die Ideologie fördert, nur der Elite nützt und dem Rest der Bevölkerung eher verarmen lässt. Ideologien sind wichtig, denn wie die Religion setzen sie moralische Maßstäbe um das zusammenleben zu ermöglichen. Eine Ideologie wird dadurch gefährlich, wenn sie zum einzigen legalen Gedanken im Staat wird.

  • Gesellschaft und Identität

Während die Armut in Europa wächst, werden Lebensstil-Ideologien immer mächtiger. Neben den Superreichen der neuen Elite und den alten aristokratischen Dynastien steht darunter die Arbeiterklasse und das Prekariat. Während sich die Politik seit den 2010er immer mehr um Identitätsgruppen als um soziale Klassen beschäftigt, wird die Elite heterogener und inklusiver. Allerdings sind soziale Aufstiegschancen immer kleiner geworden. Das am wenig begüterte Drittel der Gesellschaft scheint sich zu einer fest etablierten Schicht geformt zu haben. Der Niedriglohnsektor wurde in Europa immer grösser. Mindestlöhne müssen sich der Inflation anpassen, sonst muss vor dauerhaften Armutsverhältnissen für einen breiten Teil der Bevölkerung befürchtet werden. Inklusivität wird aber zur business sucesss formula mit der in Zukunft die Armut bekämpft und die Wirtschaft gestärkt werden kann.

  • Reform!

M.E. wird es zu einer großen ökonomischen Reformation kommen und zwar nach der Ära des autoritären eurasischen Kapitalismus‘. Möglicherweise hat der Kapitalismus in 200 Jahren nichts mehr oder kaum mehr etwas mit dem Kapitalismus von heute zu tun.

Julien Sita, 25. Juli 2021.

Standard

Hinterlasse einen Kommentar