Ein Briefromanzyklus

I. Abmilderung der Antipathie gegenüber dem Menschengeschlecht

Lieber Klaros, warum bist du so gemein gegenüber der Menschheit? Deine Verachtung ist Gift für dein Gemüt. Die Anklage ist einseitig und betrachtet nur die schlechte Seite. Warum wertschätzt du so sehr das Übel, obwohl du selbst weiß, dass jedes Ding seine Schattenseite hat (siehe Machiavelli). Deine Antipathie macht dich noch asozialer als jene Idioten die du verachtest, und sie macht dich noch passiver als jene erfolgreichen Individuen, die du nacheifern willst. Dein Verstand ist vernebelt, dein Herz ist schwer, weil du dich nicht selbst beherrscht und nicht an das denkst was wirklich für Verbesserungen wichtig sind. Deine moralischen Vorstellungen sind oft zu rigide und jenseits des Kontextes zu betrachten. Du urteilst die Masse bevor sie etwas dummes tut. Du erstellst Generalverdachte für Delikte. Anstatt Sünden zu verurteilen sollst du eher Tugenden lehren (siehe Spinoza). Deine Miene ist immer noch dieselbe, deine Moral ist schwach. Diese Gemütsverfassung ist falsch. Sage dir, dass du froh zu sein hasst, weil du in Frieden und Freiheit und Wohlstand lebst. Warum wirst du so unnötig wild, wenn du doch noch bei Gesundheit bist. Lasse dich nicht von schlechten Nachrichten und den Erfahrungen der Weltgeschichte demoralisieren, denn von aller Erfahrung, egal ob vergangene oder jetzige, weiß du wie gefährlich es ist den Moral zu verlieren. Sieh mal genauer in deiner Seele hin und entdecke was dir bedrückt. Erkenne, dass du das schlechte durch gutes abwehren kannst (siehe die Bibel, das Alte Testament). Alles Gute, dein Freund und Gefährte Antipatros.

Julien Sita, 5. September 2022.

(Fortsetzung folgt)

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