Die zwölf Volkstribunen mussten nach einem langen Bürgerkrieg eine neue Verfassung erstellen um wieder Ordnung im Land zu erstellen. Immer mehr Volkstribunen werden skeptisch über die schwächen des alten Staates und wollen ihm ganz anders reformieren. Wegen den unsicheren Umständen konnten die Zwölf erst am 1. März zum ersten Mal zusammen. Am Ende März 2121 soll die neue Verfassung ratifiziert werden.
Volkstribunin Alexia Ostraka-Kallias wollte Syndiakate an die Macht einsetzen. An der Spitze der Syndikate sollten Gewählte Ratsmitglieder sein, die ihre Wahlversprechen erfüllen oder per Gesetz zurücktreten müssen. Volkstribun Erich von Hayek wollte hingegen einen Korporationsstaat, wo das Gemeinwesen weniger vom Staat (außer bei der Justiz, Verteidigung, Sicherheit und Verwaltung und Diplomatie) und mehr von der freien Marktwirtschaft gelenkt werden. Volkstribun Aidan Gallagher wollte einen föderalen Korporationsstaat der von Experten und Regionalvertrer geführt werden sollte. Volkstribunin Johanna Ruth Gansburg schlug vor, dass ein Gericht der Grundwerte sehr mächtig sein sollte um Politiker durch ein schnelles Gericht zu zwingen einen Befehl oder Gesetz zu lassen oder zu erlassen. Volkstribun Murad Méjias wollte eine Herrschaft von fünf Räten und dem Volk. Volkstribun Richard Propin wollte libertäre Kommunen innerhalb einer Cyberdemokratie.
Volkstribun Philip Proudon stellte seine Ideen zum einem Parlamentarischen System. Ein Einheitsparlament sei eine Frace und ein Parlament mit ungefähr mehr als sieben Fraktionen wird unüberschaubar. Ein Parlament mit zwei Parteien sichert ein Politisches Programm und vermeidet Blockaden durch eine Dritte Partei. Allerdings bringt ein solches Parlament ein Oligopol sehr wahrscheinlich zustande. Die Demokratie könnte erodieren und die Korruption grassieren. Dies war beispielsweise der Fall in den USA und Österreich. Zwei oder vier Partien im Parlament machen die Demokratie lebhafter und die Anzahl an Fraktionen durchschaubar. Sechs bis sieben Parteien nähern sich dem Maximum der durch Schaubarkeit der Politik für den Ottonormalverbraucher. Proudon schlug somit vor das Parlament in fünf Fraktionen zu unterteilen, wobei jede Fraktion einen Teil der Bevölkerung repräsentiert. Die erste Fraktion repräsentiert die Studenten, die zweite die Arbeitnehmer, die dritte die Arbeitslose, die vierte die Arbeitgeber und die letzte die Rentner. Gallagher kritisierte das System seines Kollegen, denn er befürchtete, dass es zu einer Klientelpolitik führen könnte. Proudon bejahte die Befürchtungen seines Kollegen:
„Ganz gewiss werden die Fraktionen eine Kleintelpolitik betreiben, aber wie will man per Gesetz dies verbieten. In der Theorie müssten Parteien die Interessen der gesamten Bevölkerung verteidigen, auch wenn jede Partei nur die Meinung eines Bevölkerungsanteils vertritt. Beides zugleich zu vertreten kann manchmal widersprüchlich sein. Zumal manche Bevölkerungsgruppen nicht die selben Interessen teilen. Eine geregelte Klientelpolitik ist besser als eine Ungeregelte. Der Wille der Bevölkerung wurde in erweiterten Klientelverhältnissen immer schlechter Repräsentiert. Die Parteien haben sich dort nur noch so flexibel gestaltet um die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich scharen zu können. Sehr oft verheimlichten Politiker ihre wahren Überzeugungen. „
Gallagher sah ein, dass Proudon richtig über die Erosion der Demokratie durch Klientensysteme geurteilt hatte. Aber er war mit der Lösung seines Kollegen nicht ganz einverstanden. Gallagher befürchtete dass es innerhalb der Fraktionen zu Unstimmigkeiten kommen könnte. Proudon wollte dies auch, denn innerhalb der Fraktionen soll ein Konsens gefunden werden. Dann sollten die Fraktionen sich auf ein Kompromiss einigen. Eine Mehrheit von mindestens drei Fraktionen ist nötig um ein Gesetz in diesem Fünf-Fraktionen-Parlament druchzuboxen. Gallagher war gegenüber diesem System skeptisch, doch er wusste, dass er nicht nichts besseres vorschlagen konnte, wenn er sich nicht blamieren wollte. Seine Kritik, dass einzelne Parlamentarier stark an Autonomie einbüßten, weil sie die Linie ihrer Partei folgen müssten. Die Mehrheit der Parlamentarier zu Unabhängigen zu machen würde das Parlament zu sehr zerstückeln und eine Politik wäre viel zu schwer zu betreiben. Also schlug Gallagher vor eine zweite und dritte Kammer des Parlaments hinzuzufügen. In der einen sollten die Regionen und in der anderen die Experten tagen. Die Parlamentarier der ersten Kammer können seinetwegen an Autonomie einbüßen, aber in der zweiten und dritten Kammer sollten Fraktionsbildungen verboten werden. Jeder Experte soll seine eigene Meinung haben und jede Region ihre Sonderinteressen verteidigen. Um weiterhin einfach Politik zu betreiben sitzen in der zweiten und dritten Kammer weniger Parlamentarier als in der ersten. Nur ergab sich das Problem ob die erste Kammer den Erwartungen des Gallaghers entsprachen um als „Korporationskammer“ anzusehen. Gallagher inspierierte sich an 1. die Guildenvertreter, die in Florenz vor den Medicis herrschten, an 2. Generalstände des Ancien Régime, die aus Klerus, Adel und Dritter Stand bestanden und an 3. die Räterepubliken der linken Theoretiker. Eine Räterepublik solle aus direkt gewählten Ratsmitgliedern bestehen die im Arbeiterrat, Bauernrat und Soldatenrat tagen sollten. Auch auf lokaler, regionaler und föderaler Ebene solle eine Hierarchie zu den Räten bestehen.
Der Kollege Méjias wollte auch eine Ratsherrschaft anstreben, aber mit fünf und nicht drei Räten, sowie mit jährlichen oder monatlichen Plebisziten. Er gab zu, dass sein System das komplizierteste war und versuchte die Ratsherrschaft deswegen zu vereinfachen. In zwei Räten sollten viele und in zwei anderen wenige Sitzen. Der letzte soll vermitteln und im Notfall das letzte Wort haben, wenn zwei Große Räte und den zwei Kleinen Räten zusammen sich nicht geeinigt haben. Um entscheiden zu können bräuchte der fünfte Rat die Unterstützung von mindestens einem Großen Rats und eines Kleinen Rats. „Wäre es für einige von euch angenehmer wenn im Grossen Rat das Volk und im kleinen Rat die Regionen repräsentiert werden?“ fragte Méjias.
„Keine absolute Ratsherrschaft!“ sagte der Kollege und Anarchist Propin. „Libartäre Kommunen und eine Cyberdemokratie sind besser!“ Propin wollte lediglich eine Vorberatung der Experten, die ihre Meinungen mit ihren Mitbürger teilen würden bevor abgestimmt werde. Allerdings solle nicht nur ihre Meinung bei den Debatten ernst genommen werden. Ein Monopol der Information de facto in den Händen einiger wenige zu legen sei gefährlich und könnte den normalen Bürger an seiner Redefreiheit einschränken. Außerdem werden Experten in Sozialwissenschaften nicht aufgrund von Wahrheiten, sondern von Wahrscheinlichkeiten ernst genommen. Nur bei den Mathematikern und Naturwissenschaftlern ist eine Diskussion unter Leien schwierig.
„Cyberdemokratie?“ sagte einer der Kollegen. „Sollten Plebiszite durch eine digitales Wahlsystem erfolgen? Immerhin ist in der modernen Welt so ziemlich alles elektronisch. Diejenigen, die einen Computervirus befürchten können immer noch per Briefwahl wählen.“ Die Cyberdemokratie sollte auch von Syndikaten organisiert werden. Die Gewählten Mitglieder dieser Staatssyndikaten sollten auch gezwungen ihre Pflichten und Versprechen zu halten, sonst werden sie sofort ersetzt. Ostraka-Kallias war von mehr Demokratie sehr überzeugt, doch einige ihrer Kollegen waren skeptischer bezüglich den Plebisziten. Aber sie fanden dem imperativen Mandat, wo die Vertreter zu allem verpflichtet sind, was vorgeschrieben wurde, eher interessant. Die Kollegin Ostraka-Kallikles dachte mehr Demokratie sei nötig und ihre Kollegen würden zu viel Technokratie erlauben. Ihr Kollege Proudon war auch ihrer Meinung. Gallagher fragte von Hayek was er davon hielt. Von Hayek dachte an einen Korporationsstaat der gleichzeitig ein „schlanker Staat“ sei um die individuelle Freiheit der Bürger zu ermöglichen. Frau Ostraka-Kallikles und Herr Proudon seien für ihm „nicht anarchistisch genug“. Gallagher sah verzweifelt, dass er in ihm keinen Verbündeten finden konnte. Er ließ die „drei Anarchisten“ zusammen beraten und wollte auf ihr Ergebnis warten. Von Hayek betonte, dass ein Sozialstaat die Freiheit der Bürger gefährde, auch wenn es nicht ursprünglich vorgeplant sei. Ostraka-Kallikles widersprach, dass der Staat die Freiheit garantieren solle und dies ginge nicht ohne seine Kompetenzen zu erweitern. Proudon stimmte zu diesem Urteil auch zu: die Kommunen und das Volk hätten das Recht über mehr Dinge entscheiden als über die Diplomatie, Justiz, Sicherheit, Verteidigung und Verwaltung. Von Hayek schüttelte den Kopf und meinte diese fünf Bereiche gäben den Staat schon sehr viele Kompetenzen. Einige mehr und der Staat werde zu sehr übermächtig. Daraufhin protestierten alle seine Kollegen und meinten, dass seine Grenze zu rigide sei. Von Hayek fragte ihnen wo sie den sonst ihre Grenzen setzen würden. Ostraka-Kallikles meinte dazu benötige man auch einen starken Sozialstaat und ein effizientes Bildungssystem.
DIe Volkstribunin meinte zu seinem Kollegen von Hayak, dass der Sozialstaat eine Errungenschaft zum allgemeinen Wohl und keine Erosion der Demokratie sei. Der Sozialstaat gibt der Mehrheit der Bevölkerung die Chance zu den basischen Überlebensbedingungen. Medizin, Behausung, Mindestlohn sollten vom Staat gesichert sein. Die Enthaltung des Staates sich in private Angelegenheit einzumischen endet bei seiner Pflicht, die Sicherheit seiner Bürger zu sichern. Neben der Sicherheit vor Gewalt und Gesetzlosigkeit, muss der Staat auch aktiv seine Bürger vor Krankheiten, Erfrierung und dem Verhungern bewahren. Ein Staat, der sich nicht darum bekümmert ist ein Asozialstaat, den eine solche Passivität schadet der Gesellschaft ohne Ende.
Erich von Hayak glaubte aber, dass der Mensch wahres Glück durch freies Schaffen innerhalb einer freien Markwirtschaft finden würde. Der Staat sei an sich Freiheitsgefährend. Die zwei Volkstribunen waren von der letzten, aber nicht von der ersten These überzeugt. Die Wirtschaftskonzerne könnten auch zum totaler Vorherrschaft streben. Die Entwicklungen ab dem frühen 21. Jahrhundert haben dies sonnenklar gemacht. Dagegen konnte von Hayek nur ganz schwer gegenargumentieren. Seine Position war mit jener seiner Kollegen schwer zu versöhnen. Auch ein begrenzter Sozialstaat war ihm nicht geheuer. Doch in dieser Richtung musste er einen Kompromiss finden. Sonst würde er alle seine Kollegen blockieren. Gerade jetzt konnte er nicht alles wegen seiner persönlichen Überzeugungen blockieren, wobei das Schicksal des Landes auf dem Spiel steht. Es ist in der Regel besser eine Ordnung zu haben als eine Unordnung. Dies war selsbt für von Hayak eine Lektion aus dem Bürgerkrieg.
Einer der Volkstribunen schlug vor den zwei Fraktionen je eine Vortrag zu machen. Die einen, die den Sozialstaat fördern und die anderen die den Minimalstaat wollen sollten erörtern was sie im Kern wollen: materielle Rechte oder bestimmte Handlungsfreiheit. Er betonte, dass die Bürger recht auf beides haben und die Volkstribunen die konkrete und korrekte Form finden müssten. Nach einer langen Nacht wurde um fünf Uhr Morgen die erste Sitzung beendet. Der Präsident verabschiedete alle anderen Kollegen, damit sie schlafen gingen.
(Fortsetzung folgt)